Der Nachwuchs bei den Austernfischern ist da!

Es ist Traumwetter als wir den Deich bei Lüttmoorsiel emporsteigen und auf das weite Wattenmeer blicken das vor uns liegt, im Hintergrund die Hallig Nordstrandischmoor und der Damm der zu ihr führt. Wir brauchen nicht lange auf der Deichkrone zu gehen als wir ein Mordsgezeter hören. Austernfischer die herumschimpfen und da erblicken wir sie auch schon, direkt vor uns. Es ist klar das sie jetzt Junge haben und so setzen wir uns in gebührender Entfernung in das Gras und beobachten die beiden Vögel und da sehen wir auch schon zwei Junge, die im Gras kaum auffallen.

So vergeht die Zeit mit den vier Austernfischern und den Schafen, die hier auf dem Deich zusammenleben.

So ist dieser kleine Film entstanden mit dem unglaublich schönen Vogelstimmen im Hintergrund. Dreht die Lautstärke gerne etwas auf. 😉

Wir benötigen Ihre Zustimmung um den Inhalt von YouTube laden zu können.

Mit dem Klick auf das Video werden durch den mit uns gemeinsam Verantwortlichen Youtube [Google Ireland Limited, Irland] das Video abgespielt, auf Ihrem Endgerät Skripte geladen, Cookies gespeichert und personenbezogene Daten erfasst. Damit kann Google Aktivitäten im Internet verfolgen und Werbung zielgruppengerecht ausspielen. Es erfolgt eine Datenübermittlung in die USA, diese verfügt über keinen EU-konformen Datenschutz. Weitere Informationen finden Sie hier.

Jmx0O2lmcmFtZSB0aXRsZT0mcXVvdDtOYWNod3VjaHMgYmVpIGRlbiBBdXN0ZXJuZmlzY2hlcm4mcXVvdDsgd2lkdGg9JnF1b3Q7OTAwJnF1b3Q7IGhlaWdodD0mcXVvdDs1MDYmcXVvdDsgc3JjPSZxdW90O2h0dHBzOi8vd3d3LnlvdXR1YmUuY29tL2VtYmVkL1NLQ1lNWEJsN0VnP2ZlYXR1cmU9b2VtYmVkJnF1b3Q7IGZyYW1lYm9yZGVyPSZxdW90OzAmcXVvdDsgYWxsb3c9JnF1b3Q7YWNjZWxlcm9tZXRlcjsgYXV0b3BsYXk7IGNsaXBib2FyZC13cml0ZTsgZW5jcnlwdGVkLW1lZGlhOyBneXJvc2NvcGU7IHBpY3R1cmUtaW4tcGljdHVyZSZxdW90OyBhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW4mZ3Q7Jmx0Oy9pZnJhbWUmZ3Q7

Frühlingserwachen

War es Winter?
Irgendwie nicht, kein Schnee, kaum Frost, ganz viel Regen und noch mehr Sturm. So waren die Wintermonate hier im Norden
Wird es Frühling?
Wir sind schon mittendrin aber vielleicht kommt doch noch mal ein Hauch von Winter? Och nö, jetzt haben wir keine Lust mehr drauf!

Genießen wir also die ersten Frühlingsbilder, heute aus Husum. Der Schlosspark hat sich jetzt schon in ein violettes Blütenmeer verwandelt. Abertausende Krokusblüten versprühen ihren Zauber.

Land unter

Na ja, so ganz richtig trifft es für Nordstrand ja nicht zu, da „Land unter“ nur bei den Halligen vorkommen kann.
Jedenfalls ist es seit Sonntag der dritte Sturmtag und dementsprechend hoch steigt der Pegel, zudem haben wir gerade Springflut. Morgen haben wir noch einen Tag Sturm, dann zwei Tage Ruhe und am Samstag geht es dann wieder los, wohl bis Dienstag.

Hier im Zentrum der Insel bekommt man nichts davon mit wie es draußen vor den Deichen abgeht. Zum Fluttermin, der jetzt Mittags ist, finden sich an den markanten Stellen der Insel viele Schaulustige ein die das Flutspektakel bewundern möchten. Der beliebteste Spot ist dabei wohl der Fährhafen Strucklahnungshörn, ganz einfach weil man dort eine sehr schöne Übersicht hat.
Durch die vielen Niederschläge und durch die langen Flutzeiten steigt hinter den Deichen das Wasser auch immer mehr an da es durch die Siele kaum noch abfließen kann, man sagt auch das Land säuft von hinten ab. Das ist der Nachteil einer eingedeichten Insel. Die Halligen haben „Land unter“ aber wenn die Flut vorbei ist, ist das Wasser auch weider weg, die Inseln haben dann ja noch weiter mit dem Wasser zu kämpfen.

Auf ein Bild klicken um die Galerie zu öffnen:

Die ersten Monate auf Nordstrand

Die Wattenkutscher

Nordstrand, die Insel an Land, so nennen die Nordstrander ihre Halbinsel.
Die Nordseeküste verändert sich ständig, sei es durch die Naturgewalten aber auch durch den Menschen. Nordstrand war bis 1987 eine Insel. Die schwere Sturmflut von 1962 zeigte deutlich das etwas gegen die Fluten getan werden musste und so begann man zwischen dem Sönke Nissen Koog im Norden auf dem Festland und dem Elisabeth-Sophien-Koog auf Nordstrand einen neuen Deich zu bauen und so wurde Nordstrand zu einer Halbinsel oder aber auch der Insel an Land.

Es ist jetzt über vier Monate her das wir unsere Behausung in Bad Oldesloe verlassen haben und ihr werdet euch ja sicher fragen wie es uns hier, wo man morgens schon sieht wer Nachmittags zu Besuch kommt, gefällt.
Die Antwort ist ganz einfach: Es ist total geil hier! Wirklich! Wir kannten Nordstrand ja schon etwas von unseren Ausflügen mit dem Wohnmobil aber die liegen ein paar Jahre zurück und so wussten wir so in etwa was auf uns zu kommt. Aber ehrlich gesagt übertrifft es doch alles was wir erwartet hatten.

Inseldom

Nordstrand hat bis jetzt seine Urtümlichkeit bewahren können, ist touristisch aber auch sehr innovativ. Das kleine Ferienzentrum mit Schwimmbad am Norderhafen wirkt eher bescheiden und der Rest ist auf der Insel mehr oder weniger verteilt. Die alten Deiche die die Köge umgeben sind oft mit knuffigen Häusern bebaut und viele alte Höfe thronen stolz auf ihren Warften. So ziemlich in der Mitte der Insel befindet sich das Zentrum, so steht es jedenfalls auf den Hinweisschildern. Dieses Zentrum besteht aus einem Edeka Markt, dem Inseldom der Altkatholischen Gemeinde St. Theresia und der Katholischen Kirche St Knud. Rund einen Kilometer entfernt ist die Herrendeichschule, das Bürgerbüro der Gemeinde Nordstrand, das Inselmuseum, die Postfiliale ein Bäcker und das Inselkaufhaus. Nördlich vom Edeka, auf dem Osterdeich ist noch ein Bäcker und ein Fahrradverleih. Nach Westen raus, also nach Westen, ja, es gibt die Straße „Westen“ ist noch eine Töpferei mit Café. Ich glaube für das tägliche reicht das schon und die Bezeichnung Zentrum hat unser Zentrum wirklich verdient.

Die Reiter zur Hallig Südfall

Was ist das denn nun was wir so toll an dieser beschaulichen Halbinsel finden?
Als erstes ist es die schier unglaubliche Weite, immerhin können wir aus meinem Schlafzimmer den oberen Teil des 19 Kilometer entfernten Westerhever Leuchtturms sehen. Der untere Teil ist nur durch den Abschlußdeich und das Dach eines Hofes verdeckt. Vor uns liegen die Felder und Wiesen des Trendermarschkooges und da wir auf dem Herrendeich wohnen geht der Blick auf der anderen Seite auf den Osterkoog, den zweitältesten Koog Nordstrands. Ach ja, ein Koog ist ein eingedeichtes Gebiet. Nach der zweiten „Groten Mandränke“, einer gewaltigen Sturmflut im Jahre 1634, bei der große Gebiete der alten Insel Strand versanken, wurde Nordstrand wieder eingedeicht, nicht auf einmal sondern ein kleines Gebiet nach dem anderen, so sind die Köge entstanden und deshalb gibt es auch innerhalb Nordstrands viele Deiche die überflüssig erscheinen.

Ui, jetzt bin ich aber weit abgeglitten. Die Weite, die wir so lieben ist wohl das allerschönste aber auch die Menschlichkeit hat einen ganz besonderen Stellenwert, dazu eine kleine Geschichte. Wir kaufen fast alles was wir zum täglichen Leben im Edeka neben dem Dom ein. Was uns schon am ersten Tag aufgefallen ist, ist die unglaublich gute Stimmung der Kunden und Mitarbeiter. Da wird geschnackt und geplaudert, Witze gemacht und auch den Menschen Mut in schweren Lebenslagen zugesprochen. Wir stehen also an der Kasse und vor uns ist eine alte Dame mit einem Gehwagen. Sie braucht ihre Zeit bis sie alles geregelt hat, hat ihr Portemonnaie der Kassiererin gegeben weil sie selber so schlecht sehen kann und das Geld wohl nicht mehr so recht unterscheiden kann. Sie schnackt Plattdeutsch, wie die meisten Einheimischen hier und das tut ihr, und auch uns, so richtig gut, das merkt man, das fühlt man. Zum Schluss steht die Kassiererin auf, nimmt die Dame in den Arm und streichelt ihr über die Wange. In diesem Moment legte sich eine ehrfürchtige Stille über den Laden als wenn alle Anwesenden auch eine Streicheleinheit abgegeben hätten. Diesen Moment werde ich nie vergessen!

Am Fährhafen Strucklahnungshörn

Unser Herz schlägt natürlich für das was vor den Deichen liegt, die Nordsee. Ich versuche täglich eine Morgenrunde mit dem Fahrrad so um die Zeit des Sonnenaufgangs zu drehen. Um diese Zeit schläft Nordstrand zumindest im Sommer noch. Die Straßenlampen gehen erst um 5:30 an und so kann ich den den Morgenhimmel und die Dämmerung so richtig genießen. Jetzt im Sommer gibt es am kleinen Fährhafen Strucklahnungshörn auch immer etwas zu schauen, vor allem wenn die Fahrgastschiffe Adler Express und die Adler V auf ihre Tagestouren aufbrechen oder auch die Fähre Pellworm I die Versorgung der Insel Pellworm aufrecht erhält. Im Hafenkiosk gibt es ab 10 Uhr leckeren Kaffee und so können wir gemütlich dem bunten Treiben zusehen. Es ist jeden Tag ein anderes Bild, geformt durch die Gezeiten und im Hintergrund ist immer die Hallig Nordstrandischmoor oder auch Lüttmoor genannt.

Auf der Suche nach Rungholt

Auch im Watt bin ich ziemlich oft, mindestens einmal die Woche unterwegs, hauptsächlich am Dreisprung hinaus zum untergegangenen Hersbüll. Dort kenne ich mich schon recht gut aus und es ist bei mir schon zu einer Art Sucht geworden. Ab und an nehmen wir auch den bequemen Weg zur Hallig Südfall mit den Pferdekutschen der Wattenkutscher. Es geht auf eine Reise zur 7 km entfernten Hallig Südfall, die täglich nur von 50 Menschen besucht werden darf. Es ist ein einmaliges Erlebnis, genau so wie eine geführte Wattwanderung zum 1362 untergegangenen Rungholt das rund um die Hallig Südfall gelegen ist.

Die Adler V und die Pellworm I

Tourismus? Ja, den gibt es hier natürlich aber es ist eher ein sanfter Tourismus. Trotzdem wird es hier immer Sommer nicht langweilig. Wir haben noch nie so viel unternommen wie hier auf Nordstrand. Von Strucklahnungshörn gehen zwei Fahrgastschiffe jeden Tag auf unterschiedliche Touren und so kann man von hier aus die Halligwelt erleben, Sylt aber auch Helgoland besuchen. Wattwanderungen in unterschiedlichsten Varianten und Vogelexkursionen werden fast jeden Tag angeboten. Vorträge, Musikveranstaltungen und ein ganz ausgezeichnetes Programm bietet die Altkatholische Gemeinde um Pfarrer Jens Schmidt.

Am Hafen Strucklahnungshörn

In der Regel geht es einmal in der Woche in die Stadt Husum, dort ist Donnerstags Wochenmarkt und in dem Zuge erledigen wir noch andere Einkäufe, vornehmlich im Baumarkt. Alles andere, bekommen wir auf unserer Insel an Land genau so preiswert. An dem Donnerstag besuchen wir auch unser Wohnmobil, das steht jetzt sicher im Industriegebit in Husum auf einem angemieteten Stellplatz. Wie es in der Zukunft weiter geht wird sich sich zeigen, vielleicht werden wir uns sogar von ihm trennen?

Es ist also ziemlich viel im Fluss bei uns und wir gehen sogar regelmäßig in die Kirche aber darüber berichten wir ein anderes mal.

Der Tag neigt sich jetzt dem Ende zu, die gelben Sonnenstrahlen scheinen in unsere Zimmer und ich lass den Blick über die Felder und Wiesen bis zum Deich hin schweifen, dorthin wo das Wattenmeer, die Nordsee beginnt.

Klicke auf ein Bild um die Galerie zu öffnen

Das Leben an der Nordsee, ein paar Gedanken zum Klima, der Zukunft und ein Appell an die jungen Menschen denen die Zukunft gehört

Pegeldaten Husum Grabstein Andreas Busch
Die Pegeldaten Husum auf dem Grabstein von Andreas Busch

Es ist wirklich toll, wir leben dort wo andere Urlaub machen. Aus der Sicht des Urlaubers mag es so sein aber die Realität sieht doch ein klein wenig anders aus aber darum soll es hier heute nicht gehen.

Wer auf einer Insel lebt und die auch noch eine sehr bewegte Vergangenheit hat, der schaut sich seine Umwelt ganz anders an. Hier ist man sozusagen mitten im Geschenen. Wenn ich dann so an die Holzpfähle mit den Flutmarkierungen schaue dann wird mir schon klar wie klein der Mensch im Verhältnis zur Natur ist.
Im Grunde genommen ist es aus Sicht der Erdenzeit vollkommen egal wie wir unsere eigene Lebensgrundlage zerstören, denn der blaue Planet wird auch den Menschen überdauern und das Spiel kann wieder von vorne beginnen.
Bei jedem von uns geht es aber um das Jetzt und vor allem um unsere direkte Zukunft. Zukunft, das sieht ja für jeden von uns anders aus. Wenn ich zum Beispiel noch 20 Jahre hier verweilen darf freue ich mich sehr. Ein Zwanzigjähriger hat dann aber noch ganze 60 Jahre vor sich. Die Entscheidungen die heute von der Gesellschaft getroffen werden berühren die jungen Menschen also viel mehr als mich alten Rentner. Meiner Meinung nach müssten die jungen Menschen eine viel größere Mitbestimmung haben als in der bisherigen Form, denn es ist ihre Zukunft!

Es gab mal einen Heimatforscher den jeder Nordstrander kennt, Andreas Busch. Andreas Busch hat das untergegangene Rungholt im Watt vor Nordstrand entdeckt und nicht nur das, er hat sich natürlich auch Gedanken über den steigenden Meeresspiegel gemacht, ja der steigende Meeresspiegel ist nicht ein neues Problem, Busch ist bereits 1972 gestorben. Ich will jetzt nicht weiter darauf eingehen, fakt ist aber das der Meeresspiegel wirklich schon lange am steigen ist und mehr und mehr zum Problem für uns wird. Auf dem Grabstein des Andreas Busch wird in fünfjährigem Rhythmus der Meeresspiegel eingemeißelt. Allein bei dem Anblick komme ich schon ganz schön ins grübeln!
Jetzt stellt sich natürlich die Frage nach der Ursache des Anstieges und ist wirklich der CO2 Ausstoß daran mitschuldig? Ich hatte als Schüler mal unseren Lehrer gefragt, es war die Zeit der Ölkrise, das sich die Atmosphäre doch wieder wie zur Zeit vor etwa 300 Millionen entwickeln würde wenn wir die eingelagerten Kohle, Öl und Gasvorräte so lustig weiter verbrennen würden. Eine konkrete Antwort konnte er mir nicht geben. Eigentlich müsste es ja so kommen denke ich, denn auf der Erde geht ja nichts verloren, nur die Zustände und Zusammensetzungen verändern sich. Werden hier also wieder riesige Farne wachsen, so groß wie Bäume, wird die Luft eine für Säugetiere lebensfeindlich Zusammensetzung bekommen? Logisch wäre das ja oder?

Der Lorendamm zur Hallig Nordstrandischmoor, ein friedlicher Anblick

Jetzt gibt es ja seit einiger Zeit ein paar junge Menschen die sich um ihre Zukunft wirklich richtig Sorgen machen, ja ich meine die jungen Menschen die Freitags nicht zur Schule gehen, sondern sich Gehör verschaffen wollen in einer Gesellschaft die auf die Jugend viel zu wenig ausgerichtet ist und sie in ganz vielen Aspekten im Stich lässt.
Jetzt gibt es eine Greta die an unseren Fundamenten rüttelt, die alles in Frage stellt was unser Wirtschaftsdenken und unseren Lebensstandard an geht. Eigentlich ja toll oder? Endlich ergreifen mal die jungen Menschen die Initiative und werden aktiv aber gleichzeitig werden sie nach Strich und Faden nieder gemacht und in die Ecke der Faulpelze, Schulschwänzer und Taugenichtse gestellt. Was sich hier viele Erwachsene erlauben ist schlicht und einfach eine Frechheit, diese Menschen verleugnen ihre eigenen Nachkommen, ihre eigenen Kinder, statt sie zu unterstützen und zu fördern. Aber da zeigt sich mal wieder trefflich der menschliche Egoismus und die fundamentale Angst vor Veränderungen, vor Veränderungen die vielleicht weh tun können aber nicht müssen wenn rechtzeitig gehandelt werden würde.

Der Schobüller Wald bei Husum nach dem Orkan Christian 2013

Ich höre jetzt schon wieder die Stimmen: „Das bringt doch nichts“, „Wir können doch nichts ausrichten“, und zu guter Letzt: Die Anderen sind Schuld!
Wenn keiner anfängt wird sich niemals etwas ändern! Wenn keiner anfängt werden wir vielleicht wirklich ersaufen! Wenn unsere Kinder anfangen, dann ist es verdammt noch mal ihr gutes Recht!