Aus Ja-Woll.de wird Salzwasserwege.de

Es ist ein Schritt, der schon länger in unseren Köpfen herum geisterte.
Irgendwie passte Ja-Woll.de, der Domainname den wir seit weit über 20 Jahren hatten, nicht mehr. Nur wie sollte unsere neue Internetadresse lauten? Irgendwie soll sie unsere Liebe zum Meer wieder spiegeln meine Seite zur Ostsee und Heike zur Nordsee und unsere gemeinsame Liebe dem Atlantik Frankreichs.

Nach vielen Vorschlägen und Ideen sagte Heike: Salzwasserwege und in dem Moment war es klar, keine Diskussion, kein rum Reden, keine Bedenken. Es drückt einfach unsere Liebe zum Meer aus, es ist unser Lebensweg, Heike von Büsum, ich von Großenbrode, im Urlaub am Atlantik und jetzt im Alter an der Nordsee auf der Insel an Land, Nordstrand.

Wie durch ein Wunder war die Domain auch noch frei und so haben wir sie uns sofort unter den Nagel gerissen.

Seit ein paar Tagen sind wir jetzt unter Salzwasserwege.de im Netz zu erreichen und die alte Domain läuft so langsam aus.

Letztendlich ist es wieder ein neuer Weg nachdem wir unser Wohnmobilleben an den Nagel gehängt haben und uns jetzt unserer Heimat und hoffentlich bald auch wieder der Bretagne voll und ganz zuwenden können.

Neue Wege erfordern Mut, Arbeit aber sie entstauben auch das Oberstübchen, neue Wege bringen neue Ideen, kreative Gedanken und neue erweiterte Sichtweisen.

Auf den Spuren der Küstenfischer

Austernbänke, Cancale
Die Austernbänke bei Cancale

Wie geht es denn jetzt mit unserem Blog weiter? So richtig laufen tut es im Moment ja nicht, eine gewisse schreiberische Leere hat mich umgeben, um es mal in Worte zu fassen. Der richtige Kick an Themen war irgendwie nicht da. Heute Abend hat es dann Klick gemacht und das Thema liegt gewissermaßen schon direkt vor mir: „Auf den Spuren der Fischer“. Die letzten zwei Jahre waren wir ja sehr stark durch die kleine Küstenstadt Büsum inspiziert. Büsum ist ein alter Fischereiort und touristisch stark geprägt. In Schleswig-Holstein ist es jetzt wohl der Ort mit den meisten Küstenfischern? Ich weiß es nicht aber es zeigt doch schon welchen Stellenwert die Fischerei in unserem Bundesland noch hat. Das ist auch in Frankreich und Spanien nicht anders, überall geht die kleine Fischerei immer weiter zurück und die Häfen veröden zu reinen Hobbyhäfen in denen viele Segelyachten meist ungenutzt herumdümpeln. Mir gefällt das gar nicht und ich möchte die Fischerei hier in unserem Blog unseren Freunden und Lesern etwas mehr darstellen.
Fangen wir also heute gleich mal an.
Wir sind jetzt wieder in der Bretagne unterwegs und etwa 1200 km Küstenlänge liegen vor uns, da müssen wir ja haufenweise Fischer und Kutter finden?
Wenn wir von Fischerei reden dann gehören die ganzen Krebsviecher und die Muscheln natürlich auch dazu, denn die spielen in Frankreich eine überaus große Rolle. Das merken wir als wir nach dem Mont Saint Michel, in Cancale ankommen. Hier stehen die Austern im Vordergrund und direkt am Strand fallen bei Ebbe die Austernfarmen trocken. In diesem schmalen Zeitfenster müssen die Arbeiten an den Austernbänken erledigt werden und man kann in einem der vielen Restaurants und Buden oder einfach auf der Mole sitzend seine Austern ausschlabbern und dem Treiben im Watt zuschauen. Mit großen Amphibienfahrzeugen, also Boote mit Rädern, fahren die Züchter in ihre Gebiete um ihre Arbeit zu verrichten. Die Drahtgestelle auf denen die Taschen mit den Austern liegen müssen gepflegt werden, die Taschen müssen regelmäßig gewendet und geklopft werden, es ist eine harte Arbeit die bei Wind und Wetter gemacht werden muss. Die Austernzucht ist ein sehr großer Wirtschaftszweig in Frankreich und in der Weihnachtszeit werden die größten Umsätze erzielt. Die Austernbänke werden regelrecht bewacht, weil dort immer sehr gerne rumgeräubert wird und es wird nicht gerne gesehen, wenn man zwischen den Bänken herumläuft. Die Franzosen lieben Austern und für sie ist ein Weihnachten ohne eine Auster wohl nicht denkbar. Der weltweit größte Austernproduzent ist allerdings die Volksrepublik China mit einem Anteil von 78%!

Das Fabrikschiff „Grande Hermine“

Es geht weiter Richtung Saint Malo. Wir waren erst ein oder zwei mal in dieser schönen Stadt, das letzte mal bereits so um 2000 zu einem Konzert von Alan Stivell und wir wollen einmal schauen wie es hier jetzt so aussieht. Es ist natürlich brechend voll, klar denn es ist August und auch noch Wochenende, die Straßen können die Fahrzeugmassen gerade noch so auf nehmen und Geduld ist angesagt. Zum Glück kommen wir mit den Fahrrädern gut voran und auch die Busverbindung, die im Parkpreis enthalten ist, bringt Spaß. Er fährt auch an einem Hafenbecken vorbei wo wir zwei große Fischereifahrzeuge entdecken. Über das AIS (Automatic Identification System) bekommen wir die Information das es der große Fischtrawler Grande Hermine und das Fabrikschiff Joseph Roty II  ist.

Im eigentlichen Fischereihafenbecken entdecken wir auch ein paar der typisch französichen Fischkutter. Da aber Wochenende ist können wir auf irgendwelche Tätigkeiten rund um die Schiffe lange warten.

Die Condor Rapide

Es ist sonnig und herrlich warm und so wandern wir auf der Stadtmauer des ursprünglichen Saint Malos entlang und genießen die Aussicht. An den Stränden unterhalb der mächtigen Mauern tummeln sich Menschen und genießen die warmen Sonnenstrahlen. Überall sind Freizeit- und historische Schiffe unterwegs. Als Höhepunkt legt dann noch die Schnellfähre Condor Rapide ab, die von hier aus Fahrten nach Guernsey und Jersey, zwei britische Inseln im Ärmelkanal, unternimmt.


 Saint Malo hat uns sehr gut gefallen, der martitime Flair ist einfach umwerfend.


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Zeitraffer

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Zeitraffer, auch unter Time Lapse bekannt, hatte mich nie so richtig interessiert, weil ich die technischen Voraussetzungen einfach nicht hatte. Als Jürgen Reinert dann aber einen Platz in der Bretagne suchte, bei dem er Zeitrafferaufnahmen von dem Tidenhub machen will, dachte ich auch mal darüber nach. Auf die Idee es mit dem Smartphone zu machen war ich bis da nicht gekommen. Da wir in Plouharnel mit unserem Schlafzimmerfenster direkt Aussicht auf ein „Schlammloch“haben wäre das die passende Gelegenheit! Noch dazu haben wir Springtide, Grand Marée.

Auf dem Smartphone habe ich die hervorragende App openCamera installiert, die ich jedem nur empfehlen kann. Kurz gesucht und gefunden, mit openCamera kann man Zeitlupenaufnahmen machen! Zum testen habe ich mal ein Aufnahmeintervall von 5 Minuten eingegeben und das Smartphone in das Schlafzimmerfenster gestellt. Klasse, es läuft bestens! Zur Mittagszeit kommen von unserer Radtour zurück, und da ist unser Schlammloch genauso wasserlos wie Morgens. Macht nichts, es kommt ja bald, laut Tidekalender. Wir begeben uns also zum Mittagsschlaf in die Koje und wollen eine Runde ab pofen. Klick! alle paar Minuten. Es ist fast wie Folter, dieser Klick! Kein Problem denke ich, und stelle alles auf Lautlos was die Kiste so her gibt. Klick! Verdammt, wo ist dieser besch…. Schalter um den Klick! aus zu stellen….? Klick! Also Vadder Google gefragt und der sagt mir das es nicht ganz so einfach wäre und das in Asien irgendwo in irgendeinem Land ein Gesetz gibt, bei dem die Kamera Klick! machen muß, wegen Privatsphäre oder so. Es gäbe wohl aber die Möglichkeit, allerdings muß man das Smartphone rooten…. pffft, ich will nur den blöde Klick! weg haben. Zum Schluß hatte ich den Gedanken verworfen und es wird sich auch ganz gut ohne Zeitrafferaufnahme vom Tidenhub bei Supermond in Plouharnel leben können. Heute Morgen beim Frühstücken kam mir dann doch die rettende Idee das es vielleicht eine spezielle App für Zeitraffer gibt, natürlich ohne Klick! Es gibt sie, sie heißt „TimeLapse Video Recorder“ und das Resultat lässt sich schon bei der ersten Probe sehen. Jetzt ist Hänschen glücklich und zufrieden! 😉

Was macht man mit Artischocken?

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Artischocken „beschnitten“

Wenn man die Bretagne bereist, stolpert man unweigerlich über Artischocken. Was macht man mit Artischocken? Eigentlich ist es eine blöde Frage, und man kann sie mit nur einem Wort beantworten: kochen!
So dachten wir uns auch vor vielen Jahren in Camaret sur Mer, als wir dort am Strand mit unserem Laster standen. Also kauft man sich mal die disteligen Teile und macht irgend etwas damit. Ich weiß nicht mehr was wir gemacht haben, aber wir haben versucht sie zu kochen, haben dann versucht sie zu essen, haben blöd aus der Wäsche geguggt, und wussten anschließend nichts anderes zu tun, als uns schweren Herzens von den Teilen zu trennen. Jetzt denkt man ja nicht das wir im Internet nachschauen sollten! Das gab es zu der Zeit noch nicht und der einzige Rechner im Hause Kahl war ein Taschenrechner! Aber kurz darauf erzählte uns unsere Freundin Traudi, wie die Teile zubereitet werden und wir nahmen einen erneuten Anlauf.
Minimum 20 Minuten im Drucktopf kochen, dann sind sie fertig. Dazu eine Sauce zum dippen und einen leckeren Salat, das ist alles. Die Teile sind sehr magenfüllend was ihnen nicht anzusehen ist.

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Die Artischocken sind gar

Die einzelnen Blätter zupft man ab, tunkt, wenn man möchte in die Sauce, und zieht das innere Ende durch die Zähne. Ist man schließlich an den borstigen Flusen angelangt, so löffelt man sie vom Artischockenherz ab, denn man kann sie nicht mit essen, oder besser gesagt sie munden nicht. Am Schluss bleibt das Artischockenherz, das man sich dann als krönenden Abschluss dem Gaumen zuführen kann.

Würzen? Ja, nur mit grobem Salz etwas Pfeffer und Provinzkräuter. Das ist alles. Die min. 20 Minuten Garzeit beziehen sich natürlich auf einen Drucktopf, im normalen Topf dauert es entsprechend länger. Die Blätter müssen sich leicht lösen lassen und man muß sie leicht auslutschen können.

Tip: schneidet die Sptzen der „Blätter“ ab (wie auf dem Foto), dann garen sie besser.

Ihr bekommt die Artischocken in der Bretagne überall zu kaufen, schließlich ist bei Roscoff das Hauptanbaugebiet.

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Kleine Artischocken in der Pfanne

Eine Variante kennen wir noch von unserem Freund Pedro aus La Isleta in Spanien. Auf den Märkten dort bekommt man ganz kleine Artischocken. Die halbiert oder viertelt  man einfach, etwas Salz und Pfeffer drüber, gibt natürlich Olivenöl darauf und ab in die abgedeckte Pfanne. Ich persönlich gieße im Verlauf etwas Wasser hinzu. Es braucht auch so etwa 20-30 Minuten bis sie gar sind. Diese Exemplare kann man dann mit Haut und Fusseln verspeisen.
Auf dem Markt am Samstag haben wir kleine Artischocken ergattert, die allerdings nicht so toll aussahen. Heute sind sie in die Pfanne gewandert. Sie waren lecker, aber fast schon zu groß.

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Der Salat und der Dip

Viel Spaß beim nachkochen und denkt dran, Artischocken sind saugesund!